Drei Tage ist das neue Antirauch-Gesetz in China bereits in Kraft, und geändert hat sich bisher - nichts. Tatsächlich raucht der Nebenmann im Restaurant weiterhin, ebenso der Zugreisende, der am Bahnhof kurz vor der Abfahrt der Zuges noch eine anzündet. Von strengeren Kontrollen ist - zumindest bisher - keine Spur. (Nicht, dass ich das erwartet hätte.)
"Das Lernen ist wie ein Meer ohne Ufer."
Dieses Zitat stammt von Konfuzius - und vielleicht hätte er solch eine Weisheit auch auf die Frage, wie China in Zukunft ein moderndes, nachhaltiges Gesundheitssystem aufbauen kann, gesagt. Denn von heute auf morgen ist eine solche Kampagne eben nicht durchzusetzen - auch nicht im autoritären China.
So, damit aber genug Politisches, Philosophisches, Plattes... Denn das Konfuzius-Zitat habe ich eigentlich nur aus der Schublade geholt, weil ich am Wochenende den Spuren des großen chinesischen Denkers nachgegangen bin.
Gemeinsam mit meiner Freundin Julia bin ich am Samstagmorgen mit dem Schnellzug - durch Chinas Norden führen mittlerweile 10.000 Kilometer dieses bequemen Verkehrsnetzes - nach Qufu aufgebrochen.
In der "Konfuziusstadt" haben zahlreiche Sehenswürdigkeiten mit dem "Großen Meister" zu tun, der hier geboren und 479 v. Chr. zu Grabe getragen wurde.
So steht in Qufu etwa der größte und gleichzeitig älteste Konfuziustempel der Erde. Die 650 Meter lange Anlage mit ihren zwei Dutzend Toren, hohen Hallen und knorrigen Baumveteranen ist grandios und in jedem Fall einen Besuch Wert - was sich jedoch auch zahlreiche chinesische Touristengruppen dachten, die sich an diesem Wochenende durch weite Teile der Anlage geschoben haben.
Ruhiger geht es hingegen an der Grabstätte des chinesischen Philosophen zu - bleibt man nicht, wie es viele Besucher tun, am eigentlichen Grab stehen, sondern geht noch einige Schritte weiter. Denn dieses liegt gemeinsam mit den Ruhestätten der Nachfahren der Kong-Sippe auf einem riesigen, verwilderten Friedhof, der größer ist als die gesamte Altstadt - und damit wohl der älteste heute noch genutzte Friedhof der Welt. Auf einem drei Kilometer langen Rundweg können Besucher die Stille dieses einmaligen Parks, das Grün der dichten Fauna und das Zwitschern der Vögel genießen, bevor sie sich wieder zurück in den Trubel der Kleinstadt stürzen.
Tatsächlich ging es in Qufu selber keinesfalls ruhig zu. Im Gegenteil: Die Stadt ist zwar ein absolutes Muss für chinesische Touristen, Ausländer verirren sich hier jedoch nicht allzu oft hin. Und so wurden Julia und ich zum Teil so intensiv angestarrt, gemustert und fotografiert, dass es uns zu viel wurde.
Am Abend versuchte eine Wirtin dann sogar glatt, uns über den Tisch zu ziehen!
Erschöpft hatten wir in einer gemütlichen Garküche an einem Straßenrand zwei Bier und drei Gemüsegerichte bestellt - in Peking würde das in solch einer urigen Atmosphäre rund 50 Yuan (7,50 Euro) kosten. In Qufu also erheblich weniger - oder?
Die Wirtin, eine auf den ersten Blick nette Frau um die 60, dachte sich aber wohl, dass sie mit den zwei Langnasen ein Geschäft machen könnte. 100 Yuan (15 Euro) sollten wir zahlen! Aber nicht mit uns: Sofort haben wir widersprochen, diskutiert, schließlich sogar den Nachbartisch einbezogen: Als wir denen nämlich erzählten, dass die Flasche Bier angeblich 20 Yuan kosten sollte, haben die Einheimischen nur verwundert geschaut. Kein Wunder, hätte sich doch kein Wirt getraut, Chinesen solch eine Rechnung aufzumachen.
Also haben Julia und ich der Dame kurzerhand 50 Yuan in die Hand gedrückt und sind satt gegessen, aber doch ein wenig enttäuscht nach Haus.
Das ist mir in all meiner Zeit in China noch nirgends passiert - und dann in der Stadt des Konfuzius, dessen Ideal in all seinen Lehren doch stets der "Edle", also ein moralisch einwandfreier Mensch, war...
Aber wie sagte Konfuzius so schön?
"Der sittliche Mensch liebt seine Seele, der gewöhnliche sein Eigentum."
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