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Samstag, 4. Februar 2017

Fine Dining in Wandershoes

Die Zeit auf unserer Reise ist immer knapp - schnell essen, Fotos machen, letzte Fragen an unsere Gesprächspartner, und ab geht es zum nächsten Punkt auf der Tagesordnung.

"Heute Abend haben wir endlich einmal Zeit, in Ruhe zu essen und uns zu unterhalten", sagt unser Reiseleiter Toby heute. Es wartet ein Sechs-Gänge-Menü mit Merlot-Weinverkostung, der richtige Wein zu jedem Gang. Das Rottenhouse Inn in Bayfield bietet seit 1994 solche Weinverkostungs-Abende an - anfangs mit zwei roten Weinen, heute mit einer ganzen Auswahl. Wir sind Gäste, und so probieren wir, was uns vom hervorragenden Service serviert wird.

Und ich bin heute besonders glücklich. Denn weil unser Zeitplan so knapp ist, hat niemand in der Gruppe Zeit, sich umzuziehen - und ich, die immer noch nur ein Paar Schuhe hat, ist endlich nicht die einzige, die zum "Fine Dining" in Wanderschuhen kommt. 




Ein Meer aus Eis

Die Fähre steht bereit – doch dass wir an diesem Wintertag mit ihr übersetzen können, ist nicht selbstverständlich. Zwischen einer Woche und drei Monaten friert die Verbindung zwischen Madeline Island und dem Festland zu einer „Eisstraße“ zu. Dann fahren Autos über das Eis und sparen sich damit nicht nur das Warten auf die kleine Fähre, die nur viermal am Tag ablegt, sondern auch die rund 20 Euro für die Überfahrt..


Regelmäßig misst eine heimische Familie auf der Insel, auf der nur rund 250 Menschen das ganze Jahr leben (im Sommer werden es 10mal so viele!), die Eisdicke. In bestimmten Abständen wird die Fahrtspur von einer auf die andere Seite verlegt, und ist das Eis insgesamt zu dünn, steht nur noch der „Windschlitten“ zur Verfügung: ein mit Windkraft betriebenes Gefährt, das über das Eis gleitet. Oder eben die Fähre, wenn eine Bahn frei von der Eisschicht ist...

„Wir haben großes Glück, es ist noch niemand ins Eis eingebrochen“, erklärt uns ein Einwohner bei einem Trip um die rund 18 Kilometer lange Insel mit glücklichem Lächeln. „Wie, noch nie?“ – „Ach was, in dieser Saison!“
Tatsächlich passieren immer mal wieder Missgeschicke. Vor Jahren etwa soll eine Familie den Umzug ihres Dreifamilienhauses im Winter geplant haben. Der Transporter war für das nur auf Autos ausgelegte Eis natürlich zu dünn – und so liegt der Hausrat noch heute auf dem Grund des Lake Superior...









Freitag, 3. Februar 2017

Into the Wild



Auf der anderen Seite des Sees liegt Kanada. Wir sind mittlerweile weit oben im Norden angekommen, und mit Stolz zeigt John Fredrikson auf das Stück Land am anderen Ende der weißen Fläche. „Jetzt, wo der Gunflint Lake zugefroren ist, kann man rein theoretisch bis Kanada rüberlaufen“, sagt John, der gemeinsam mit seiner Frau seit vergangenem Sommer die Gunflint Lodge am Ufer des Sees betreibt. „Hier haben wir glücklicherweise noch keine Mauer.“ John lacht.

Es ist der erste Winter, den das junge Ehepaar das große Anwesen betriebt. Insgesamt 218 Menschen können in den Häusern mitten in der Wildnis schlafen, am Tag warten Skilanglauf, Schneemobil-Touren, Schlittenfahrten und Wanderungen. Handyempfang hingegen ist nicht, WLAN steht nur in bestimmten Gebieten zur Verfügung. „Die Menschen kommen genau deswegen: Sie wollen Entschleunigung", weiß John.


Über eine Million Hektar purer Wildnis gibt es hier oben an der amerikanisch-kanadischen Grenze. Keine öffentlichen Straßen, kein Flugzeuglärm. Das nächste Krankenhaus ist 67 Kilometer entfernt, und wenn ein Baum auf die Straße stürzt, so darf er nicht mit Motorsäge und Maschine, sondern nur händisch entfernt werden.

Auf dem gefrorenen See rasen fünf junge Männer auf ihren Schneemobilen vorbei. Auch eine Art der Entschleunigung, erklärt Kjersti. „Das ist für uns ein perfekter Tag im Schnee, wir machen etwas, das uns Spaß macht, und wärmen uns danach mit heißer Schokolade am Kamin auf.“

Kjersti, die für John das Marketing macht, zeigt uns, wie wir ein Schneemobil fahren. Rechts Gas, links Bremse, „it’s easy!“. Ich bin mutig und versuche mich nicht nur als Beifahrerin, sondern Kurve auch allein über die dicke Schneedecke. Ich weiß jetzt, was Kjersti meint, genieße den Moment und vergesse für einige Minuten mal meine aktuell allergrößte Sorge: meinen noch immer fehlenden Koffer.