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Samstag, 4. Februar 2017

Fine Dining in Wandershoes

Die Zeit auf unserer Reise ist immer knapp - schnell essen, Fotos machen, letzte Fragen an unsere Gesprächspartner, und ab geht es zum nächsten Punkt auf der Tagesordnung.

"Heute Abend haben wir endlich einmal Zeit, in Ruhe zu essen und uns zu unterhalten", sagt unser Reiseleiter Toby heute. Es wartet ein Sechs-Gänge-Menü mit Merlot-Weinverkostung, der richtige Wein zu jedem Gang. Das Rottenhouse Inn in Bayfield bietet seit 1994 solche Weinverkostungs-Abende an - anfangs mit zwei roten Weinen, heute mit einer ganzen Auswahl. Wir sind Gäste, und so probieren wir, was uns vom hervorragenden Service serviert wird.

Und ich bin heute besonders glücklich. Denn weil unser Zeitplan so knapp ist, hat niemand in der Gruppe Zeit, sich umzuziehen - und ich, die immer noch nur ein Paar Schuhe hat, ist endlich nicht die einzige, die zum "Fine Dining" in Wanderschuhen kommt. 




Sonntag, 7. Juni 2015

Ein Buddha der Superlative


Ein kleines Suchbild zum Wochenanfang: Findet Ihr die Menschen? Jawohl, ganz oben rechts stehen sie dicht an dicht gedrängt, um dem Buddha in die Augen zu sehen.

Dass der Andrang so groß ist, ist dabei kein Wunder: Denn der Große Buddha von Leshan in der Provinz Sichuan ist nicht nur groß, er ist das größte Buddhabildnis der Welt. 71 Meter ist er hoch, 24 Meter breit. Allein ein Ohr misst sieben Meter, und ein Zehennagel ist mit 1,60 Meter größer als manch ein Besucher!

Und nicht nur ein Suchbild, nein auch noch einen Fetzen aus der Kategorie "Unnützes Wissen" gibt es zu diesem Bild :) Achtet doch einmal auf die so Buddha-untypische Handhaltung -  normalerweise würde solch eine Persönlichkeit immer eine elegante Handhaltung zum Meditieren einnehmen. Doch statisch hat die Statue die rund 1000 Arbeiter, die sie 80 Jahre lang in den Fels geschlagen haben, vor eine echte Herausforderung gestellt. Und so sitzt der Buddha nicht nur stocksteif an den Fels gelehnt, sondern lässt seine Hände auch ganz enspannt auf den Knien ruhen.

Wer braucht bei solch einer Größe schon die ansonsten so wichtige Symbolik? :)

Dienstag, 26. Mai 2015

Himmlische Stille

Der Himmelstempel in Peking, Mai 2015.
Hier hat der Kaiser auf einer runden Terrasse dem Himmel und seinen Gestirnen im Rahmen eines mehrstündigen Rituals geopfert und um eine gute Ernte für das neue Jahr gebeten.

Freitag, 24. April 2015

Qingdao: Ein Stück Deutschland in China


Aufatmen und Seeluft genießen! Das war unser erster Gedanke, als meine Kollegen und ich zu Beginn der Woche in der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao ankamen. Nach der ersten leidvollen Begegnung mit Pekings Smog genossen wir den blauen Himmel und konnten gar nicht genug bekommen von der frischen Meeresbrise.

Damit waren wir auch nicht die einzigen: Schon am frühen Morgen war der Strand in der ehemaligen deutschen Kolonie belebt - nicht nur dank der rund 40 Millionen Touristen, die die Stadt jedes Jahr besuchen, sondern vor allem dank der rüstigen Einheimischen, die sich mit ihrer morgendlichen Gymnastik am Strand fithalten. Da sind Jogger ebenso zu beobachten wie Volleyballspieler, tapfere Schwimmer im noch eisig kalten Meer ebenso wie sanft übende Tai Chi-Gruppen.

Am meisten überrascht hat mich jedoch das Open-Air-Fitnessstudio am Badestrand: Sichtlich in die Jahre gekommen, zum Teil verrostet, die Polster zerschlissen – doch ihren Zweck erfüllen die Fitnessgeräte am Strand noch immer. Gewichte stemmen hier nicht etwa nur junge Bodybuilder, sondern ebenso viele rüstige Rentner, die sich mit dieser morgendlichen Routine fit halten. Respekt!


Hier in der Region kommt in Punkto Gesundheitspflege neben der täglichen Dosis an Bewegung aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: die Ernährung. Vielen der Meeresfrüchte, die hier ganz selbstverständlich auf dem Speiseplan stehen, wird in der traditionellen chinesischen Medizin eine gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen; und Fisch, der hier quasi direkt vor der eigenen Haustür gefischt wird und deshalb viel öfter als Fleisch auf den Tisch kommt, ist ohnehin gesund. 


Das Wichtigste aber: Die Qingdaoer trinken – entgegen der ersten Vermutung – eben nicht nur das Bier, für das sie berühmt sind (immerhin wird das gute „Tsingtao“, ein Kind der kolonialen Ambitionen des Deutschen Reichs, in China-Restaurants rund um den Globus gereicht). Viel wichtiger ist für die gesundheitsbewussten Rentner nach ihrem Frühsport die Tasse Tee, die oft noch gemeinsam genossen wird. Besonders kostbar gilt die Frühjahrsernte des grünen Tees, der in der Region angebaut wird und in diesen Wochen zum ersten Mal in diesem Jahr abgeerntet werden kann.

In Qingdao lässt es sich tatsächlich gut leben. Für uns war die Woche nach der hektischen und oft lauten Ankunft im 675 Kilometer entfernten Peking eine Wohltat, und auch die Einheimischen zählen, wie Umfragen ergeben, zu den glücklichsten Chinesen des Landes. Ihre Stadt weist übrigens auch heute noch, etwas mehr als 100 Jahre nach dem Ende der deutschen Zeit in Ostchina, viele europäische Züge auf: So entdeckt der Besucher nicht selten ein Fachwerkhaus oder geziegelte Dächer, wie sie sonst nur bei uns Zuhause zu finden sind. 





(Wie sehr die Deutschen die Stadt geprägt haben, zeigt sich übrigens auch im Dialekt: Der Gulli heißt hier doch tatsächlich „guli“.)

Doch trotz aller Begeisterung für das so saubere, leere Städtchen (im Vergleich zu Peking :-)): Einen Trugschluss gab es dann doch noch. Und zwar die Annahme, dass die Seeluft so viel frischer war als das, was wir für gewöhnlich in Peking einatmen. Als wir nach einem vermeintlich „nebeligen“ Tag die Luftqualität prüften, wurde uns klar, dass der „Nebel“ Qingdaos an diesem Tag auch der Luftverschmutzung geschuldet war. Tatsächlich wurden Feinstaub-Werte von über 150 gemessen – mehr noch als in Peking zur gleichen Zeit! Ein Wunder, welche Tricks unsere Fantasie, blauer Himmel und ein wenig Meeresrauschen uns spielen können…  




Sonntag, 19. April 2015

Das Wochenende ausklingen lassen




Was darf am Sonntagabend auf keinen Fall fehlen? Richtig, der Tatort. Ganz gleich, ob Alpenvorland oder Küste, ob deutsche Großstadt oder tiefste Provinz, um 20.15 Uhr wird an die TV-Ermittler übergeben. 

Auch für viele Deutsche, die im Ausland leben, darf dieses Ritual nicht fehlen. Etwa hier in Peking: Rund 3000 Deutsche leben in der Stadt; gut zwei Dutzend von ihnen treffen sich einmal im Monat, um ihren Lieblingsermittlern zuzuschauen. Sonntagabend, 20.15 Uhr. Und ich war heute Abend dabei :)
Dass es in Deutschland erst 14.15 Uhr war und der Tatort der vergangenen Woche lief, hat hier niemanden interessiert... 

Im „Zeit Berlin“ findet das regelmäßige Happening statt. Begrüßt werden die Gäste auf Deutsch, serviert werden Currywurst, Schnitzel und Weißbier. 


Und eben der Tatort: „Für mich ist das ein absolutes Muss“, sagt Frank. Der deutsche Student ist bereits zum zweiten Mal dabei. „Da kommen Heimatgefühle hoch.“

Mit genau diesen spielt übrigens die gesamte „Expat-Branche“, also jene Geschäfte, die sich speziell auf die Expatriate - oft von ihren Firmen entsandte, hoch qualifizierte internationale Arbeitskräfte - spezialisiert hat. So gibt es in Peking beispielsweise ein German Center, in dem deutsche Firmen, die Handelskammer, der Akademische Austauschdienst etc. untergebracht sind. Es gibt deutsche Ärzte, deutsche Anwälte, einen deutschen Pfarrer, den deutschen Bäcker und deutsche Restaurants. Im Paulaner Bräuhaus kann man das Oktoberfest feiern.

Auch am Samstagabend, als ich mit einigen Kollegen in einer kleinen Szene-Kneipe einem Konzert gelauscht habe, war ich als Europäerin definitiv in der Überzahl. 


Den „Tatort“ zeigt die deutsche Kneipe, deren Räume Charlottenburg, Steglitz oder Wedding heißen, seit einem halben Jahr. Key Wang, Tochter der Inhaber, kümmert sich über die Social Media-Kanäle darum, dass alle Deutschen Bescheid wissen. Gemeinsam mit Dietmar Renner hat sie den Tatort-Abend ins Haus geholt – und mittlerweile einen festen Fankreis von rund 25 Leuten um sich geschart.

„Ich wollte bei meinen Auslandsaufenthalten schon immer auch ein Stück deutsche Kultur vermitteln“, sagt Dietmar, der im IT-Support der Deutschen Schule in Peking arbeitet. „Und was eignet sich da besser als der Tatort?“ Alle vier Jahre zieht der Initiator gemeinsam mit seiner Frau, die für das Deutsche Amt tätig ist, weiter. Als nächstes wird der „Tatort“ in der Türkei gezeigt.

Samstag, 11. April 2015

Besuch im Nationalmuseum


Wochenende! Mein erstes "richtiges" in China, immerhin hat sich vergangene Woche noch alles wie Urlaub angefühlt. Jetzt aber, nach der ersten Woche voller spannender Vorträge und aufregender neuer Eindrücke, fühlen sich zwei freie Tage toll an. Doch faul herumsitzen oder den Samstag im Bett verbringen, war für mich keine Option! Schließlich habe ich "nur" zwölf Wochen, um die Stadt aufs Neue zu erkunden. 

Also habe ich heute einen Besuch nachgeholt, der während meines Auslandssemesters vor fünf Jahren doch tatsächlich vergessen ging: Ich habe das Nationalmuseum nicht nur von außen gesehen, sondern mir endlich auch einmal alle Exponate angeschaut. Okay, um ehrlich zu sein, habe ich mir nur einen Bruchteil der Exponate angesehen. Denn das chinesische Nationalmuseum, zentral am Tian'an Men gelegen, ist mit einer Gesamtfläche von knapp 195.000 Quadratmetern das weltweit größte Museumsgebäude. 


Und genau diese Größe war es auch, die mich am meisten beeindruckt. Denn die schier unfassbare Größe der Hallen und Treppenaufgänge, der Blick hinab - all das war fast spektakulärer als die Exponate, die vor allem historische Fundstücke, etwa Bronzen, Keramiken, Siegel oder Textdokumente aus den verschiedenen Dynastien umfassen.

Viele der ausgestellten Gegenstände gelten aber als nationale Kostbarkeiten. So werden zum Beispiel die legendären fossilen Überreste des Yuanmou- und des Beijing-Menschen in dem Museum aufbewahrt.




Nichtsdestotrotz: Nach gut vier Stunden  wich die Begeisterung der Erschöpfung... Und so sind meine zwei Kollegen und ich mit platten Füßen und viel neuem Input aufgebrochen - mit dem Gefühl, diesen Samstag richtig gut genutzt zu haben.