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Mittwoch, 24. Juni 2015

Wo Chinas Politiker tagen...


Jawohl, es gibt sie: Orte in Peking, an denen ich noch nicht war. Fuer die die Zeit bisher einfach nicht gereicht hat, die womoeglich nicht immer geoeffnet sind - oder von denen ich bisher einfach noch nicht wusste. 
Genau diesen widme ich mich in meinen letzten Wochen in China. So habe ich mit meiner Freundin Julia das einzige Eunuchen-Museum des Landes besucht, einen verlassenen Freizeitpark erkundet - und heute wurde es dann politisch :) 

Die Grosse Halle des Volkes, direkt am Tiananmen-Platz, kann naemlich besucht werden, so lange der Nationale Volkskongress nicht darin tagt. Und das wusste ich waehrend meines letzten Peking-Besuchs noch nicht... als Politologin ist das aber natuerlich ein Ziel, das keinesfalls fehlen darf!

Die Große Halle des Volkes ist eines der symbolträchtigsten Bauwerke der Stadt - und das Innenleben gibt schon einen kleinen Hinweis darauf, wie gut es sich die kommunistischen Abgeordneten gehen lassen, wenn sie sich hier einmal im Jahr treffen. Genau, laut Artikel 61 der Verfassung finden diese Treffen nur einmal jährlich statt - gewöhnlich im März.

Der Volkskongress tagt dann im größten Raum, dem Kongressaal (grosses Bild), der auf 76 mal 60 Metern Fläche seinem chinesischen Namen zufolge mehr als 10.000 Plätze bietet. 
Dabei besteht das politische Gremium "nur" aus rund 3.000 Mitgliedern, womit es aber immer noch das größte Parlament der Welt ist.


 



Das ist aber uebrigens nur ein Ausschnitt aus dem Gebaeude - das 170.000 Quadratmeter große Bauwerk beinhaltet über 300 Säle und Büroräume. 

Es duerfte also auch NACH meinem Besuch noch genug Ecken geben, die ich noch nicht kenne... ;-)

Dienstag, 26. Mai 2015

Himmlische Stille

Der Himmelstempel in Peking, Mai 2015.
Hier hat der Kaiser auf einer runden Terrasse dem Himmel und seinen Gestirnen im Rahmen eines mehrstündigen Rituals geopfert und um eine gute Ernte für das neue Jahr gebeten.

Montag, 11. Mai 2015

Halbzeit!


Wie schnell die Zeit vergeht, ist mir einmal mehr heute früh aufgefallen. Kaum trete ich aus dem Hauseingang an die frische Luft, blicke ich auf zwei neue Wohnhochhäuser (ok, für China sind es nur Wohnhäuser mittlerer Größe). Als ich vor sechs Wochen in meiner neuen Nachbarschaft angekommen bin, waren diese noch grau, alt, heruntergekommen - viele Wohnungen standen leer.

Bereits als ich vergangene Woche von meiner Reise zurückgekehrt bin, haben die beiden Riesen plötzlich in neuen Farben gestrahlt. Und heute morgen ist mir dann das erste Mal das Leben aufgefallen, das hinter den Scheiben Einzug gehalten hat - die neuen Pflanzen, die Wäsche auf den Balkons, das Licht hinter den frisch geputzten Scheiben.

Die Zeit rast. Kaum irgendwo merkt man das so extrem wie in China.

Auch während meiner Reise in den vergangenen Wochen habe ich viele Orte besucht, an denen die Zeit wie im Handumdrehen vergeht und Bauern sich fragen, wo die neuen Betonklötze vor ihrer Haustür plötzlich herkommen.

Meine letzte Station beispielsweise war Dalian, am Wochenende habe ich die ostchinesische Küstenstadt bei einem Wochenend-Trip besucht. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Baustellen gesehen habe wie in Dalian.

Während alte Stadtteile quasi in Trümmern liegen und Bauarbeiter fleißig daran arbeiten, Altes zu erneuern, sprießen entlang der insgesamt 2000 Kilometer langen Küste der Sonderhandelszone vielerorts luxuriöse Wohn-Wolkenkratzer (und hier sprechen wir dann über 30, 40 oder gar mehr Stockwerke) in die Höhe. Den Quadratmeter gibt es hier ab 2500 Euro.

Vom Entwicklungsland China ist hier nichts mehr zu spüren.



 
Wie schnell die Zeit vergeht, habe ich auch gemerkt, als ich gesehen habe, wie viele Tage bereits seit meinem letzten Blogpost vergangen sind. Sechs Wochen bin ich nun bereits hier, Halbzeit quasi. Nur noch wenige Tage stehen mir in der Uni bevor, das Praktikum in der chinesischen Redaktion - da bin ich mir sicher - wird ebenfalls vergehen wie im Flug.

Ich schreibe deshalb viel, halte jedes einzelne Erlebnis fest, überlege, wo ich weitere Geschichten ausgraben kann, frage Interview-Parnter an. Viel Zeit im Reich der Mitte bleibt nicht, das spüre ich, wenn ich jetzt auf die erste Hälfte zurückblicke. Ich gebe deshalb Gas - so wie die Bauarbeiter vor meiner Haustür.




P.S. Ihr habt Lust, zwischendurch auch mal etwas außerhalb des Blogs von mir zu lesen? Für die Ärzte Zeitung habe ich beispielsweise meine Begegnung mit dem Smog in Peking festgehalten. Auf www.aerztezeitung.de erfahrt Ihr in meiner Kolumne regelmäßig, was mir passiert, wo ich im Alltag über Gesundheit stolpere - und wie sich unsere Ansichten darüber zum Teil doch unterscheiden. 

Sonntag, 19. April 2015

Das Wochenende ausklingen lassen




Was darf am Sonntagabend auf keinen Fall fehlen? Richtig, der Tatort. Ganz gleich, ob Alpenvorland oder Küste, ob deutsche Großstadt oder tiefste Provinz, um 20.15 Uhr wird an die TV-Ermittler übergeben. 

Auch für viele Deutsche, die im Ausland leben, darf dieses Ritual nicht fehlen. Etwa hier in Peking: Rund 3000 Deutsche leben in der Stadt; gut zwei Dutzend von ihnen treffen sich einmal im Monat, um ihren Lieblingsermittlern zuzuschauen. Sonntagabend, 20.15 Uhr. Und ich war heute Abend dabei :)
Dass es in Deutschland erst 14.15 Uhr war und der Tatort der vergangenen Woche lief, hat hier niemanden interessiert... 

Im „Zeit Berlin“ findet das regelmäßige Happening statt. Begrüßt werden die Gäste auf Deutsch, serviert werden Currywurst, Schnitzel und Weißbier. 


Und eben der Tatort: „Für mich ist das ein absolutes Muss“, sagt Frank. Der deutsche Student ist bereits zum zweiten Mal dabei. „Da kommen Heimatgefühle hoch.“

Mit genau diesen spielt übrigens die gesamte „Expat-Branche“, also jene Geschäfte, die sich speziell auf die Expatriate - oft von ihren Firmen entsandte, hoch qualifizierte internationale Arbeitskräfte - spezialisiert hat. So gibt es in Peking beispielsweise ein German Center, in dem deutsche Firmen, die Handelskammer, der Akademische Austauschdienst etc. untergebracht sind. Es gibt deutsche Ärzte, deutsche Anwälte, einen deutschen Pfarrer, den deutschen Bäcker und deutsche Restaurants. Im Paulaner Bräuhaus kann man das Oktoberfest feiern.

Auch am Samstagabend, als ich mit einigen Kollegen in einer kleinen Szene-Kneipe einem Konzert gelauscht habe, war ich als Europäerin definitiv in der Überzahl. 


Den „Tatort“ zeigt die deutsche Kneipe, deren Räume Charlottenburg, Steglitz oder Wedding heißen, seit einem halben Jahr. Key Wang, Tochter der Inhaber, kümmert sich über die Social Media-Kanäle darum, dass alle Deutschen Bescheid wissen. Gemeinsam mit Dietmar Renner hat sie den Tatort-Abend ins Haus geholt – und mittlerweile einen festen Fankreis von rund 25 Leuten um sich geschart.

„Ich wollte bei meinen Auslandsaufenthalten schon immer auch ein Stück deutsche Kultur vermitteln“, sagt Dietmar, der im IT-Support der Deutschen Schule in Peking arbeitet. „Und was eignet sich da besser als der Tatort?“ Alle vier Jahre zieht der Initiator gemeinsam mit seiner Frau, die für das Deutsche Amt tätig ist, weiter. Als nächstes wird der „Tatort“ in der Türkei gezeigt.

Mittwoch, 15. April 2015

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

In Peking steht und fällt alles mit dem Wetter. In den vergangenen Tagen ist es frühlingshaft warm geworden, und auch die Abende sind schon wesentlich milder als bei meiner Ankunft, als eine Strickjacke beim abendlichen Essengehen keinesfalls fehlen durfte.


Und doch steht und fällt alles mit dem Wetter, genauer gesagt mit Smog, Wind und Co. 

Ist es windig oder vertreibt ein wenig Regen den sonst eigentlich immer herrschenden Smog, so kommt in diesen Wochen nicht selten die Sonne heraus und wir genießen neben den milden Temperaturen wunderschöne Frühlingstage.

 

Doch wenn sich der Smog über die Stadt legt, helfen auch die mildesten Temperaturen nichts – im Gegenteil, die Luft ist dann drückend, schwül, auch beim tiefen Durchatmen hat man das Gefühl, dass nur ein Bruchteil der Luft in den Lungen ankommt. 


Lustigerweise ist der Smog übrigens nicht nur hier in China ein Thema. „Paris ringt um Luft“ titelte die FAZ Ende März. Die französische Hauptstadt kämpfte da kurze Zeit gegen den Feinstaub: Vorübergehen durften sogar nur Autos mit ungeradem Nummernschild nach Paris. Für das europäische Umland klang das nach dramatischen Nachrichten – hier in China konnte man angesichts der gemessenen Werte jedoch nur müde lächeln (oder aufatmen, haha).

Denn während Paris bei Feinstaubkonzentrationen von maximal 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft röchelte, gelten diese Werte – obwohl die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dabei bereits bei Weitem überschritten ist – hierzulande als normal. In Peking haben wir heute Abend einen Höchstwert von 648 gemessen – und damit sind alleine die sogenannten PM 2,5-Teilchen gemeint. Diese als Feinstaub bezeichnete Staubfraktion enthält 50 Prozent der Teilchen mit einem Durchmesser von 2,5 µm, einen höheren Anteil kleinerer Teilchen und einen niedrigeren Anteil größerer Teilchen. PM 2,5 ist eine Teilmenge von den sogenannten PM 10 – bezieht man diese mit ein, ist man sogar bei 895. Dunkelrote Werte! Denn ab 300 gelten die Werte laut WHO als höchstgefährlich, alle Bevölkerungsstufen können demnach gesundheitliche Schäden davon tragen.

Hoffen wir also, dass es morgen wieder klarer wird! :-)


Samstag, 11. April 2015

Besuch im Nationalmuseum


Wochenende! Mein erstes "richtiges" in China, immerhin hat sich vergangene Woche noch alles wie Urlaub angefühlt. Jetzt aber, nach der ersten Woche voller spannender Vorträge und aufregender neuer Eindrücke, fühlen sich zwei freie Tage toll an. Doch faul herumsitzen oder den Samstag im Bett verbringen, war für mich keine Option! Schließlich habe ich "nur" zwölf Wochen, um die Stadt aufs Neue zu erkunden. 

Also habe ich heute einen Besuch nachgeholt, der während meines Auslandssemesters vor fünf Jahren doch tatsächlich vergessen ging: Ich habe das Nationalmuseum nicht nur von außen gesehen, sondern mir endlich auch einmal alle Exponate angeschaut. Okay, um ehrlich zu sein, habe ich mir nur einen Bruchteil der Exponate angesehen. Denn das chinesische Nationalmuseum, zentral am Tian'an Men gelegen, ist mit einer Gesamtfläche von knapp 195.000 Quadratmetern das weltweit größte Museumsgebäude. 


Und genau diese Größe war es auch, die mich am meisten beeindruckt. Denn die schier unfassbare Größe der Hallen und Treppenaufgänge, der Blick hinab - all das war fast spektakulärer als die Exponate, die vor allem historische Fundstücke, etwa Bronzen, Keramiken, Siegel oder Textdokumente aus den verschiedenen Dynastien umfassen.

Viele der ausgestellten Gegenstände gelten aber als nationale Kostbarkeiten. So werden zum Beispiel die legendären fossilen Überreste des Yuanmou- und des Beijing-Menschen in dem Museum aufbewahrt.




Nichtsdestotrotz: Nach gut vier Stunden  wich die Begeisterung der Erschöpfung... Und so sind meine zwei Kollegen und ich mit platten Füßen und viel neuem Input aufgebrochen - mit dem Gefühl, diesen Samstag richtig gut genutzt zu haben.


Donnerstag, 9. April 2015

Der Campus der Elite

Nicht nur der jetzige Staatspräsident Xi Jinping zählt zu ihren Absolventen, auch sein Vorgänger Hu Jintao besuchte als Student die Tsinghua Universität in Peking. Ein Fakt, auf den die traditionsreiche Hochschule stolz ist: "Die Tsinghua ist die renommierteste Uni im gesamten Land", schwärmte uns zu Beginn einer super interessanten Vortragswoche der Professor der Journalismus-Fakultät vor. "Und unser Campus wird immer wieder als schönster Chinas gewählt, im internationalen Ranking hat er jüngst Platz 14 belegt."

Tatsächlich gilt die Tsinghua Daxue  清华大学 zu den selektivsten und renommiertesten Universitäten in China. Nationale und internationale Rankings zählen die Hochschule mit großem Abstand zur führenden technischen und naturwissenschaftlichen Universität Chinas und zusammen mit der Peking Universität als eine der insgesamt zwei besten Universitäten des Landes. "Das MIT Chinas", betonte der Dozent - und bezog sich damit ganz unbescheiden auf das Massachusetts Institute of Technology, eindeutig eine der führenden Eliteuniversitäten.


Als Medienbotschafter der Robert-Bosch-Stiftung sind wir insgesamt vier Wochen am "chinesischen MIT" - das mit seiner Journalismus-Fakultät übrigens keinesfalls alleine ist. Insgesamt rund 930 Studiengänge, Programme oder Kurse gibt es heute in ganz China.

Dass diese jedoch nicht immer mit der deutschen Ausbildung - bei uns ist das kritische Hinterfragen von Gegebenheiten schließlich ein essenzieller Bestandteil des Studiums - zu vergleichen sind, darüber sprechen einige unserer Dozenten ganz offen. Im geschützten Raum ("Die Türen sind geschlossen" hören wir immer wieder) halten einige der Redner zwar weiterhin die offizielle Parteimeinung hoch, andere sprechen ganz offen über ihre Schwierigkeiten in der Arbeit - sowohl als deutsche Korrespondenten vor Ort als auch als chinesische Journalisten.

Ab und zu verlassen wir den Campus aber auch für eine Exkursion - so waren wir gestern beispielsweise in der Deutschen Botschaft und besuchen heute die EU-Niederlassung in Peking. Hören dort einige, dass wir einen Besuch an der Tsinghua besuchen, bekommen tatsächlich viele Gesprächspartner große Augen...

Mittwoch, 8. April 2015

Tolle Aussicht vom Kohlehügel (景山, Jing Shan)



Tief durchatmen! Von Smog war in den vergangenen Tagen keine Spur... und so haben meine Freundin und Mitbewohnerin Julia, ihre Freundin Sarah, die gerade zu Besuch war, und ich die Zeit genutzt, um auf den berühmten Kohlehügel zu steigen.

Der zentrale, 43 Meter hohe Aussichtshügel nördlich des Kaiserpalasts, der auf chinesisch "Jing shan" ("Aussichtshügel") heißt, verdankt seine heutige Größe dem Aushub bei der Anlage des Palastgrabens. Da hier zur Mongolenzeit Kohle gelagert wurde, erhielt er im Volksmund die Bezeichnung "Mei shan", "Kohlehügel".

Der mit einem Pavillon gekrönte Gipfel liegt direkt auf der Nord-Süd-Achse der Stadt - und bietet bei solch strahlendem Sonnenschein eine einmalige Aussicht!



Dienstag, 7. April 2015

Meine chinesische Nachbarschaft




So chinesisch wie meine harte Matratze ist auch die Nachbarschaft – und genau deswegen liebe ich sie. Vor unserem Haus ist immer Leben: Da putzt der Fahrrad-Riksha-Fahrer bei Sonnenschein sein Gefährt, hier halten zwei Chinesinnen einen Plausch, und gegenüber liefert ein alter Mann auf seinem Karren noch mehr Steine für die Baustelle an. Julia mit ihren blonden Haaren und ich mit meinem Lockenkopf sind weit und breit die einzigen Ausländer (von denen es in Peking mittlerweile allerhand gibt!!) und werden dementsprechend mal ehrfürchtig beäugt, mal schüchtern gegrüßt, aber immer interessiert und offen behandelt. 


Gleich über die Straße ist man schon in Teilen von Pekings Altstadt, hier stehen dicht an dicht die traditionellen einstöckigen Häuschen in engen Gassen, den Hutongs, gedrängt. Für 20 Yuan, das sind ungefähr drei Euro, bekommt man hier – trotz der enorm gestiegenen Kosten im Vergleich zu vor fünf Jahren – noch immer ein leckeres Abendessen mit Bier. Wenn man denn bereit dazu ist, mal auf einem unbequemen Höckerchen zu sitzen... :)

Montag, 6. April 2015

Ich bin da!

Angekommen! Heute habe ich meinen ersten Tag an der Tsinghua Universität :)